Viel mehr als ein Teddybär

„Mein Gott, der sieht ja aus, wie ein kleiner Teddybär!“
Diesen Satz hören wir oft. Bolonkas ziehen mit ihrem zuckersüßen, knuddeligen Aussehen fast überall viel Aufmerksamkeit auf sich. Doch genau diese Optik lässt manchmal fast vergessen, dass sie lebendige Wesen mit hunds-echten Bedürfnissen sind.

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🧸 JA! kuschelig und süß!
Bolonka Zwetna werden häufig als „unkompliziert und leicht zu erziehende“ Hunderasse beschrieben. Meiner Erfahrung nach trifft diese Beschreibung im Vergleich zu vielen anderen Rassen auch zu.
Gleichzeitig bringen auch Bolonkas berechtigterweise ihre eigene Persönlichkeit mit, brauchen viel Zeit, Pflege, Zuwendung, Zugehörigkeit, Kuscheleinheiten, ausreichend Bewegung, sinnvolle Beschäftigung, artgerechte Erziehung und die Bereitschaft ihrer Besitzerinnen und Besitzer, für viele Jahre die Verantwortung für sie zu übernehmen.

🦊 UND: Wild und frech!
Bolonka-Welpen sind unglaublich süß und herzerwärmend – und sie:

  • sind wild und frech
  • passen gut auf ihr Zuhause auf
  • bellen
  • knurren
  • beißen
  • sind KEINE Kuscheltiere

Bolonka Welpen brauchen Menschen, die wissen, wie Hunde artgerecht gehalten und erzogen werden.

💡 Bitte bedenken Sie
Vielleicht stecken Sie noch mitten in der Überlegungen oder haben schon entschieden, so ein kleines wuscheliges Wesen zu sich zu nehmen.

Die wirklich schönen Momente:
Es wird viele wunderschöne, innige, vertrauensvolle und lustige Momente geben. Die meisten Menschen, die Ihnen begegnen, werden begeistert und entzückt von Ihrem Wonneproppen sein. Sie werden wahrscheinlich sehr stolz und verliebt sein in Ihren Bolonka.

Die arbeitsreichen Momente:
Sie werden hin und wieder nachts aufstehen, weil der kleine Zwerg aufs Klo muss oder um 3:00 Uhr früh findet, dass er jetzt genug geschlafen hat.
Sie werden viele Pfützchen und Häufchen vom Boden wischen, bis Ihr Baby stubenrein ist (es kann bis zu einem Jahr dauern, bis ein Welpe alle seine Geschäfte zuverlässig kontrollieren kann).
Sie werden sich mit dem Thema artgerechte Hundeerziehung auseinandersetzen, wenn Sie Sicherheit im Umgang mit Ihrem kleinen Begleiter bekommen wollen.
Sie werden sich bei Regen, Kälte, bei 36° im Schatten und wenn Sie krank sind darum kümmern, dass die Bedürfnisse Ihres Hundes gestillt sind. Sie werden sich mit dem Thema Fellpflege auseinandersetzen, weil Ihr Goldschatz sich sonst nicht gerne bürsten lassen wird und sehr schnell Verfilzungen im Fell haben wird, die da so auf Dauer nicht hingehören.

Die anstrengenden, nervenaufreibenden & schwierigen Momente:
Sie werden Sätze sagen, wie:

  • Mein Hund zieht ständig an der Leine.
  • Mein Hund bleibt einfach stehen und will nicht weitergehen.
  • Mein Hund beißt immer in die Leine, wenn wir draußen sind.
  • Mein Hund frisst draußen alles, was er findet.
  • Mein Hund kommt nicht, wenn ich ihn rufe.
  • Mein Hund bleibt nicht gerne alleine zu Hause.
  • Mein Hund bellt jeden an, der zur Türe herein kommt.
  • Mein Hund bellt ständig am Gartenzaun.
  • Mein Hund verträgt sich nicht mit anderen Hunden.
  • Mein Hund lässt sich nicht bürsten oder die Krallen schneiden.
  • Mein Hund hört zu Hause perfekt und draußen gar nicht.
  • Mein Hund klaut Essen vom Tisch.
  • Mein Hund schläft nachts nicht durch.
  • Mein Hund jagt Katzen, Vögel und Fahrradfahrende.
  • Mein Rüde ist nicht mehr zu halten, wenn eine Hündin in der Nähe ist.

🧠 Verhalten verstehen: Eine Frage der Perspektive
Ein Hund kennt keinen Unterschied zwischen „erwünschtem“ und „lästigem“ Verhalten. Für ihn ist jede Reaktion – ob er nun freudig angelaufen kommt oder am Gartenzaun bellt – in diesem Moment völlig natürlich und biologisch absolut richtig.

Er verhält sich wie ein Hund: Er folgt seinen Genen, reagiert instinktiv, zeigt gelerntes Verhalten oder versucht, mit einer Situation umzugehen, in der er sich gerade über- oder unterfordert fühlt.

Das „Problem“ entsteht: Weil wir Menschen ganz besondere Ansprüche an das Zusammenleben haben und das Hunde-Verhalten nach unseren Regeln definieren. Wenn ein Welpe nicht „hört“, tut er das nicht, um uns zu ärgern – sondern weil seine feine Kommunikation nicht verstanden wurde, ihm die Orientierung fehlt oder wir ihm schlichtweg noch gar nicht verständlich gezeigt haben, was wir eigentlich von ihm möchten und wie toll es für ihn sein kann, wenn er zu uns kommt.

💞 In guten, wie in schlechten Zeiten
Neben allen Freuden geht es für Hundebesitzerinnen und Hundebesitzer um die bewusste Entscheidung und die Bereitschaft, in „guten, wie in schlechten Tagen, in Gesundheit und Krankheit“ für ihr Tier zu sorgen.
Denn ein Hund braucht nicht nur jemanden zum Kuscheln. Er braucht Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen – jeden Tag, ein Hundeleben lang.

Versuchen Sie nicht, Ihren Hund zu ändern. Verändern Sie stattdessen, wie Ihr Hund lebt!

Dr. Peter Spork